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Norwegen plant neue Abgabe für Kreuzfahrtpassagiere

Die norwegische Regierung plant eine neue Abgabe für Kreuzfahrtpassagiere. Kommunen mit hoher Belastung sollen ab 2027 das Recht erhalten, 100 Kronen pro Passagier und pro Tag zu verlangen. Die Regierung will damit Gemeinden entlasten, die jedes Jahr große Mengen an Tagesgästen aufnehmen und hohe Kosten für Müllentsorgung, Infrastruktur und öffentliche Dienste tragen.

Im Jahr 2025 zählten norwegische Häfen rund 6,3 Millionen Tagesbesuche von Kreuzfahrtpassagieren. Die Regierung sieht in der Abgabe eine Möglichkeit, diese Belastung besser zu finanzieren. Würden alle Passagiere zahlen, könnten die Kommunen mehr als 600 Millionen Kronen einnehmen. Die Regierung betont, dass der Tourismus nur dann nachhaltig wachsen kann, wenn Besucher, Betriebe und lokale Gemeinschaften gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Mehrere Kommunen äußern jedoch deutliche Bedenken. Vertreter verschiedener Regionen warnen, dass Kreuzfahrtunternehmen Norwegen meiden könnten, wenn die Kosten steigen. Einige Gemeinden fürchten wirtschaftliche Einbußen, weil weniger Schiffe anlegen könnten. Zusätzlich weisen sie darauf hin, dass die Verwaltung der Abgabe einen erheblichen Teil der Einnahmen verschlingen könnte.

Andere Kommunen fordern, dass möglichst viele Besuchergruppen einbezogen werden. Sie sprechen sich für saisonabhängige Modelle aus, da die Belastung im Sommer deutlich höher ist. Gleichzeitig sehen sie praktische Schwierigkeiten. Die Kontrolle der Aufenthaltsdauer der Schiffe und der Zahl der Passagiere, die tatsächlich an Land gehen, gilt als komplex und fehleranfällig.

Branchenvertreter unterstützen grundsätzlich eine Abgabe, die stark belastete Orte entlastet. Sie betonen jedoch, dass die Höhe der Zahlung maßvoll bleiben muss, damit norwegische Häfen attraktiv bleiben. Einige Stimmen warnen vor einem möglichen Wettbewerb zwischen benachbarten Gemeinden. Wenn einzelne Orte die Abgabe senken, um mehr Schiffe anzuziehen, könnte dies zu Spannungen führen. Schon kleine Preisunterschiede könnten dazu führen, dass Reedereien alternative Ziele wählen.

Juristisch bringt das Vorhaben weitere Herausforderungen mit sich. Norwegen ist an internationale Vereinbarungen und EES Regeln gebunden. Diese schreiben vor, dass Hafengebühren kostenorientiert sein müssen. Kommunen dürfen daher nur Leistungen berechnen, die direkt mit dem Aufenthalt eines Schiffes im Hafen zusammenhängen. Eine zusätzliche Einnahmequelle für andere Projekte ist nicht zulässig.

Parallel zur geplanten Kreuzfahrtabgabe tritt am 1. Juli dieses Jahres eine allgemeine Tourismusabgabe auf Übernachtungen in Kraft. Sie kann bis zu drei Prozent betragen und soll Kommunen zusätzliche Mittel verschaffen, um touristische Belastungen besser zu bewältigen.

Der Vorschlag zur Kreuzfahrtabgabe befindet sich nun in einer dreimonatigen Anhörungsphase. Kommunen, Branchenvertreter und weitere Interessengruppen können in dieser Zeit Stellung nehmen. Eine endgültige Entscheidung fällt nach Abschluss der Anhörung.